B1265 words

The Lost-and-Found Office

Das Fundbüro

At the lost-and-found office, Ms Hoffmann sees small dramas every day, and one day a big one.

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Frau Hoffmann arbeitete seit über zwanzig Jahren im Fundbüro der Stadt. Sie hatte schon alles gesehen: Regenschirme in allen Farben, einzelne Handschuhe, Gebisse, ein ausgestopftes Krokodil und sogar ein Brautkleid. Jeder Gegenstand, so sagte sie gern, hatte seine eigene Geschichte.

An einem grauen Dienstag im November brachte ein Busfahrer eine abgenutzte Ledertasche vorbei, die jemand in der Linie 12 vergessen hatte. Darin befanden sich keine Wertsachen, sondern nur ein Stapel handgeschriebener Briefe, die mit einem roten Band zusammengebunden waren.

Normalerweise las Frau Hoffmann keine privaten Dokumente, doch da es keinen Ausweis und keine Adresse gab, musste sie einen Hinweis auf den Besitzer finden. Die Briefe stammten aus den sechziger Jahren und waren alle an eine gewisse Margarete gerichtet. Unterschrieben waren sie mit "Dein Walter".

In den folgenden Tagen wartete Frau Hoffmann vergeblich darauf, dass sich jemand meldete. Schließlich rief sie bei der Lokalzeitung an, die einen kurzen Artikel über die verlorenen Liebesbriefe veröffentlichte. Schon am nächsten Morgen klingelte das Telefon im Fundbüro ununterbrochen.

Am Nachmittag stand ein älterer Herr mit Hut vor dem Schalter. Er stellte sich als Walter vor und erklärte mit zitternder Stimme, dass Margarete, seine Frau, im Frühling gestorben sei. Seitdem trage er die Briefe immer bei sich, und als er sie im Bus verloren habe, sei es gewesen, als hätte er sie ein zweites Mal verloren.

Frau Hoffmann gab ihm die Tasche, und Walter bedankte sich so herzlich, dass auch ihr die Tränen kamen. Seitdem besucht er sie jeden Monat mit einem Stück Kuchen. "Hier gehen Dinge nicht verloren", sagt sie seitdem zu jedem neuen Kollegen, "hier finden sie nach Hause."