Als Thomas ein Kind war, spielte er jeden Tag Geige. Seine Lehrerin sagte immer, dass er großes Talent habe. Doch als er sechzehn wurde, hörte er plötzlich auf, weil ihm Fußball und seine Freunde wichtiger waren. Die Geige landete auf dem Dachboden seiner Eltern.
Dreißig Jahre später arbeitete Thomas als Buchhalter in einer Versicherung. Er hatte eine Familie, ein Haus und ein sicheres Einkommen, aber oft hatte er das Gefühl, dass etwas fehlte. Abends saß er vor dem Fernseher und war unzufrieden, ohne genau zu wissen, warum.
Als seine Eltern in eine kleinere Wohnung umzogen, half Thomas beim Ausräumen des Dachbodens. Zwischen alten Spielsachen und Kisten mit Kleidung entdeckte er den schwarzen Geigenkasten. Er öffnete ihn vorsichtig, und obwohl die Saiten gerissen waren, war die Geige noch in gutem Zustand.
Thomas brachte das Instrument zu einem Geigenbauer, der es reparierte. Danach meldete er sich in einer Musikschule an, obwohl er sich ein bisschen schämte, als einziger Erwachsener zwischen lauter Kindern im Wartezimmer zu sitzen. Die ersten Wochen waren frustrierend, denn seine Finger erinnerten sich kaum an etwas.
Trotzdem übte er jeden Abend, nachdem die Kinder ins Bett gegangen waren. Seine Frau schloss am Anfang die Tür, weil die Töne so schief klangen, doch nach ein paar Monaten öffnete sie sie wieder, um zuzuhören. Sein Lehrer schlug ihm vor, in einem Amateurorchester mitzuspielen.
Ein Jahr später stand Thomas zum ersten Mal auf einer Bühne. Im Publikum saßen seine Frau, seine Kinder und seine alten Eltern. Als das Konzert zu Ende war, kam seine Mutter mit Tränen in den Augen zu ihm und sagte: "Ich wusste immer, dass du irgendwann zurückkommst."